Haupt- und Realschule Birstein, Neubau einer Mensa
Kreisausschuss des Main-Kinzig-Kreises
2015-2016

LP 1-9
BGF 990 m²
BRI 4.534 m³

Die Gemeinde Birstein liegt am südlichen Fuße des Vogelsbergs und bildet den nordöstlichen Rand des Main-Kinzig-Kreises. Zur Sicherung des Schulstandorts war vom Schulträger geplant, für drei dort ansässige Schulen eine Mensa zu errichten.
Aufgrund der Topografie und der städtebaulichen Situation wurde entschieden, die kleinere der beiden Turnhallen auf dem Schulgelände, die nur noch vereinzelt genutzt und ohnehin stark sanierungsbedürftig war, abzubrechen und an deren Stelle die Mensa zu platzieren. Damit ersparte man sich eine aufwändige und teure Sanierung der Turnhalle und reduzierte die Kosten für den Gebäudeunterhalt an der Schulanlage. Durch die Wahl dieses Standorts wurde zudem weder der laufende Schulbetrieb während der Bauzeit eingeschränkt, noch im Ergebnis die Pausenhofflächen reduziert.
Nach dem Abbruch des Erdgeschosses der Turnhalle, ist unter Beibehaltung und Nutzung der vorhandenen Gründung und des in die Hanglage eingeschobenen Untergeschosses ein Neubau aus Fertigteilen in Holzrahmenbauweise aufgesetzt worden. Der Entwurf ist in Gebäudeabmessung, Lasteinleitungen und räumlicher Disposition auf die Bestandskonstruktion abgestimmt, um die erforderlichen Eingriffe in den Bestand zu minimieren und Nachsetzungen zu vermeiden. Weiterhin konnten die vorhandenen Räume im Untergeschoss für die wesentlichen Bestandteile der Technischen Anlagen genutzt werden.
Die Entscheidung zur Ausführung in Holzbauweise ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen: Die statischen Vorteile hinsichtlich geringerem Gewicht des Gebäudes und damit geringe bis keine Auswirkungen auf die Bestandskonstruktion waren der eine Aspekt. Weit wichtiger war jedoch der zeitliche Vorteil der Vorfertigung. Auf dem Dach der abzubrechenden Turnhalle war die PV-Anlage eines Investors installiert, deren Ertragsausfall und somit die Höhe des Schadensersatzes möglichst klein zu halten war. Dies erreichte man durch die Minimierung des Zeitfensters zwischen Abbruch und Wiederherstellung einer „belegbaren“ Dachfläche und die Verschiebung der Bauzeit in die Jahreszeit mit geringen PV-Erträgen. 
Die Holzbauweise und der weitestgehend trockene Ausbau ermöglichten dabei eine kurzfristige und unterbrechungsfreie Fertigstellung des Gebäudekubus innerhalb der Wintermonate und reduzierten die sonst üblichen Trocknungszeiten auf ein Minimum.
Die Architektur des „Neubaus“ nimmt die bestehende, rechteckige Kontur des Unterbaus auf. Die Umsetzung des Raumprogramms mit geringeren Grundflächen im Erdgeschoss ermöglichten großzügige Terrasseneinschnitte in der Gebäudekubatur. Dies schafft einerseits spannende Blickbezüge und Durchblicke, andererseits war dies zur Integration einer im Untergeschoss vorhandenen Trafostation unumgänglich. Die größere Geschosshöhe dieses Bereiches erscheint im Erdgeschoss als erhöhtes Terrassenpodest mit Sitzstufen und Liegefläche.
Der Baukörper fügt sich mit seiner Fassade aus sägerauen, unbehandelten Schwartenbrettern aus Lärchenholz harmonisch in die ländliche Umgebung ein; auch im Innenausbau überwiegen Holzbauteile als sichtbare Konstruktionen oder Wandmaterial und vermitteln über die warmen Farbtöne und weitere gezielte Farbakzente eine angenehme Atmosphäre.
Neben einem multifunktional nutzbaren Mensaraum sind weiterhin eine Aufbereitungsküche, eine Lehrküche sowie alle erforderlichen Nebenräume für Schüler und Küchenpersonal entstanden. 
Das Gebäude verfügt über eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Das energetische Konzept ist angepasst an die temporäre Nutzungsfrequenz und entspricht angesichts der Kosten-/Nutzenrelation bewusst nur den Anforderungen der EnEV 2014.
Die bei der Herstellung der Entwässerungsanlage angefallenen Erdmassen sind nicht abgefahren, sondern zur Gestaltung des Außenbereiches um den Neubau eingebaut worden. Entstanden ist dabei eine hügelige Landschaft, die als Spielbereich und „grünes Klassenzimmer“ nutzbar ist.