2019-2020

Wohnhaus F

Neubau

Konzept

Minimalismus. Natur. Pur.

Das Wohnhaus befindet sich in Ortsrandlage und öffnet sich mit freiem Blick in die umliegende, weitgehend unbebaute Landschaft. Die Platzierung des Baukörpers innerhalb des Grundstücks orientiert sich an den Sonnenständen sowie an der gewünschten Ausrichtung der einzelnen Räume zum Naturraum.

Prägendes Gestaltungsmerkmal sind vielfältige Blickbeziehungen – nach innen, nach außen und hindurch –, die eine offene, einladende Atmosphäre schaffen. Tages- und Jahreszeiten sind dabei jederzeit unmittelbar erfahrbar. Großzügig gestaltete, überdeckte Terrassen erweitern die Innenräume und ermöglichen eine witterungsunabhängige Nutzung.

Der Entwurf folgt konsequent dem Prinzip der Reduktion und bedient sich ausschließlich geometrischer Grundformen. Konstruktion und Materialität bleiben sichtbar: Die Oberflächen sind bewusst naturbelassen und rau, zeigen Handwerk und Struktur. Sie sind robust, langlebig und verbinden eine angenehme Haptik mit einer ruhigen, zurückhaltenden Optik.

Die Erschließung des Gebäudes erfolgt von Süden über die große Terrasse. Der zweigeschossige, zentral gelegene Eingangsbereich bildet einen offenen Übergang zwischen den öffentlichen und privaten Bereichen der Familie. Als zentrales Gestaltungselement beherbergt er eine gefaltete, filigrane Stahltreppe.

Die Raumstruktur ist offen angelegt; die einzelnen Bereiche gehen fließend ineinander über und schaffen so eine kommunikative, großzügige Wohnatmosphäre.

Die Haupträume befinden sich im Erdgeschoss, wodurch das Haus barrierefrei und altersgerecht genutzt werden kann. Jeder Raum bietet einen direkten Zugang zum Garten. Der Koch- und Essbereich im Südwesten ist über eine großflächige Verglasung mit den angrenzenden Terrassen verbunden und bildet den Mittelpunkt des Familienlebens. Das bewusst separierte Wohn- und Kaminzimmer dient als ruhiger Rückzugsort. Der Schlafbereich mit angeschlossenem Bad liegt im Nordosten und öffnet sich mit Blick in die umgebende Landschaft.

Im Obergeschoss sind die Kinderzimmer sowie ein gemeinsamer Aufenthaltsbereich für Büro, Spiel und Sport untergebracht. Jedem Zimmer ist ein kleiner Freisitz vorgelagert.

Das Gebäude ist nicht unterkellert. Seriell gefertigte Einbauschränke bieten großzügigen Stauraum, ohne zusätzliche Fläche zu beanspruchen. Der kompakte Technikraum im Erdgeschoss vereint Haustechnik, Waschen und Lagerung auf minimalem Raum.

Neben dem Anspruch eines klaren, minimalistischen Erscheinungsbildes wurde der Einsatz technischer Systeme bewusst auf ein notwendiges Minimum reduziert. Die Elektroinstallation folgt einem Low-Tech-Ansatz und beschränkt sich auf das funktional Erforderliche. Auf komplexe Steuerungen und wartungsintensive Bauteile wurde gezielt verzichtet. So sind beispielsweise im gesamten Haus keine Raffstores verbaut: Im Erdgeschoss verhindern weit auskragende Dachflächen den direkten Wärmeeintrag, im Obergeschoss übernehmen bewachsene bzw. textil bespannte Lauben diese Funktion. Durch die großzügigen Verglasungen und die gezielte Ausrichtung des Baukörpers entstehen in den Wintermonaten hohe solare Gewinne durch die tief stehende Sonne. Vor allem der geringe Einsatz technischer Systeme sorgt für einen reduzierten Verbrauch von Haushaltstrom, welcher trotz des Bewohnens durch eine vierköpfige Familie bei dem durchschnittlichen Verbrauch eines Singlehaushaltes liegt (< 1.500 kWh pro Jahr).

Auf der obersten Dachfläche sowie auf der Überdachung der Gartenhütte ist seit Dezember 2025 vollflächig eine Photovoltaikanlage installiert, die diesen Energiebedarf nachhaltig deckt. Beheizung und Warmwasserbereitung erfolgen über eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, die Wärmeverteilung über eine flächendeckende Fußbodenheizung. In sommerlichen Spitzenzeiten kann diese ebenfalls zur Gebäudetemperierung genutzt werden. Inwieweit die Photovoltaikanlage inklusive 14 kWh Batteriespeicher einen signifikanten Beitrag zur Stromversorgung der Wärmepumpe leistet, befindet sich derzeit noch in der Testphase.

Auch in längeren Hitzeperioden bleibt das Gebäude ohne den Einsatz von unterstützender Technik angenehm temperiert. Möglich wird dies durch eine effektive manuelle Durchlüftung, die hohe Speichermasse des Betons, die weit auskragenden Dachflächen sowie die begrünten Flachdächer, die zusätzlich als thermischer Puffer wirken.

Zur nachhaltigen Bewässerung der Grünflächen und Bepflanzungen des Daches und des Gartens in langen Trockenperioden sind an den Dachabläufen des Hauses, der Garage und der Gartenhütte Wasserspeicher und Tropfsysteme installiert.

Die Konstruktion des Gebäudes ist bewusst einfach gehalten: Die Wände bestehen aus monolithischem Ziegelmauerwerk, innen- und außenseitig verputzt. Geschoss- und Dachdecken sind als Stahlbeton-Filigrandecken ausgeführt, unterseitig unverputzt und oberseitig beschichtet. Die flügelgeglättete Stahlbeton-Bodenplatte wurde lediglich versiegelt und dient als fertige Oberfläche; ein konventioneller Estrichaufbau entfällt in beiden Geschossen vollständig. Die Höhe der Attika des erdgeschossigen Daches fungiert als Überzug und reduziert die statischen Erfordernisse deutlich. Fenster- und Türelemente sind dreifach verglast und in Aluminium ausgeführt.

Trotz konventioneller Bauweise konnte die Bauzeit mit rund sieben Monaten vergleichsweise kurz gehalten werden.

Weiterführende Informationen

Minimieren

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Info

BGF (R)

257 m²

BRI

825 m³

Leistungsphasen

1-9

Konstruktion

Massivbau